Das kann ja auch gar nicht anders sein, wenn sich zur FIA European Hill Climb Championship noch die Meisterschafts-Prädikate aus Luxemburg, Österreich und Deutschland plus die Serien NSU-Bergpokal und KW Berg-Cup gesellen. Das ergibt über 130 Teilnehmer aus mehr als 15 Nationen, begleitet von einem großen Aufgebot an Journalisten und Bildberichterstattern. Der Ort Steinbach zeigt sich einmal mehr als perfekter, freundlicher Gastgeber, öffnet Tore, Plätze und Garagen. Reto Meisel bricht am Freitag bei der Pressekonferenz eine Lanze für den flotten Gipfelsprint: „Bergrennsport, das ist eine so offen zugängliche, attraktive und höchst spannende Motorsportdisziplin mit einem unglaublichen Mix an Fahrzeugen, die dringend mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt werden muss.“
Gut, diesen Auftrag haben wir verstanden, lasst uns also damit anfangen. Zunächst stellen wir die Strecke vor: Seit 2024 ist sie 5.300 Meter lang, bietet 35 Kurven und eine Schikane. Der Zustand ist top, die Sicherheitseinrichtungen ultramodern. Der Vergleich mit einem Eiskanal liegt nahe, gerade im unteren Streckenteil, der nicht nur mit doppelten Leitplanken, sondern zusätzlich mit zahlreichen Betonleitelementen abgesichert ist.
Von Freitag auf Samstag hat es nochmals geregnet, die erste Trainingssitzung ist deshalb mit Vorsicht anzugehen, in der zweiten und dritten Übungsauffahrt sind die Bedingungen konstant gut, Regenreifen und ähnliches haben spätestens ab Mittag Feierabend. Für den Sonntag sind zwei Rennläufe angesetzt, sie beginnen wie die Practice Runs pünktlich um 08:30 Uhr. Was sich dabei ereignet hat, das wollen wir jetzt Klasse für Klasse Revue passieren lassen. Das machen wir gemäß den von DMSB und KW Berg-Cup vorgesehenen Einteilungen, nicht nach dem FIA EHCC Raster.
Als erstes drücken die NSU auf die Anlasserknöpfe, willig springen sechs per Luft gekühlte Motoren an. Schnell kristallisiert sich heraus, dass gegen Jannik Hofmann kein Kraut gewachsen ist, er gewinnt souverän mit großem Vorsprung. Einen der Podiums Mitanwärter zieht im zweiten Wertungslauf die böse Defekthexe aus dem Verkehr. Gemäß Schnelldiagnose hat sie ein Loch in einen Kolben des 1200C von Thomas Krystofiak genagt. Der kann nun aus erster Reihe beobachten, wie Walter Voigt und Wolfgang Weigert die Plätze zwei und drei fixieren. In der NSU-Klassik-Wertung sind die zwei zuletzt genannten die Nummer eins und zwei, Klaus Betten wird hier Dritter. Übrigens: Jannik Hofmann verbessert den NSU-Streckenrekord von Papa Steffen aus 2024 um 0,168 Sekunden auf 2:47,560.
Auf der 1400er Klassik-Bühne läuft ein Krimi der Extraklasse. Armin Ebenhöh (VW Minichberger Scirocco 16V) und Marcel Hellberg im VW Golf 1 16V von Teampartner Markus Hülsmann duellieren sich auf allerhöchstem Niveau. Im ersten Lauf ist Armin 51 Tausendstel-Sekunden eher oben im Ziel als Marcel. Auch im Final-Run ist Armin Ebenhöh einen Tick schneller, diesmal sind es 0,407 Sekunden. Podestplatz drei sichert sich Nils Abb im 8-Ventiler VW Schneider Polo mit spektakulären Fahrten. Rang vier geht an Thomas Pröschel (VW Schneider Corrado 16V), dahinter läuft Philipp Plein ein, der zugleich Zweiter der 1400er KW 8V-Trophy ist. Position drei in der Sonderwertung mit den roten Startnummern holt sich René Christall mit seinem Simca Rallye 2.
Ein Klassik 1600er plus drei 2-Liter ergibt Zusammenlegung. Lars Heisel erklärt von Anfang an, dass er hier mit seinem Opel Böhm Kadett C Coupé 16V der Hausherr ist. Der amtierende KW Berg-Cup Gesamtsieger fährt einen deutlichen Sieg heraus. Vor Youngster Marvin Ruwe (VW Minichberger Golf 1 GTi 16V) und Ronny Hering, dessen 1600er VW Scirocco nach den Regeln der früheren Gruppe 2 vorbereitet und deshalb mit einer mechanischen Benzineinspritzung ausgestattet ist. Ronny behält in der Glasbach 8V-Wertung knapp die Oberhand über Michael Rauch im Opel Briegel C Kadett Coupé.
Zwei Mitglieder des Klassik-Clubs bis 3000 Kubikzentimeter sind zum Glasbachrenen angereist. Einer davon, Marcel Gapp, mit Problemen am Zugauto. Endlich Thüringen erreicht, überträgt sich im Training der Technik-Trouble auf den BMW M3 E36 3.0, genauer gesagt auf den Bereich Hinterachse und Differential. Aber bis Sonntag ist alles wieder paletti. Da stört es Marcel wenig, dass Alexander Wolk (VW Minichberger Golf 2 Turbo) die schnelleren Zeiten auf seiner Seite hat. Der Blick in die Gesichter während der Rückführungen beweist, dass Marcel Gapp jeden einzelnen Glasbach-Meter trotzdem voll genossen hat.
So, kümmern wir uns nun um die nach Performancefactor (Pf) eingeteilten Gruppen und Klassen. Im BMW E36 325i hat Fabian Brügge die 5c fest im Griff. Daran ändert auch das Mitmachen von DBM-Vorjahressieger Nick Mai (BMW E36) nichts, er wird Zweiter. Überhaupt ist das Podest fest in BMW Hand: Rang drei holt sich Alexander Reder auf einem 318iS. Die Positionen vier und fünf sichern sich Lukas Friedrich im Ford Fiesta und Hannes Menninger (BMW 318iS).
Die 5b gewinnt Moritz Minichberger mit seinem Honda Civic Type R unangefochten. Mit ihm steigen Luigi D’Acri (Peugeot 106 Rallye 16V) als Zweiter und der österreichische Suzuki-Swift-Sport-Pilot Thomas Großauer als Dritter auf das Siegerstockerl.
In der 5a mischen die internationalen Teilnehmer kräftig mit. Der Gewinner ist Vojtech Beda mit seinem Peugeot 308. Als Zweiter zeigt Leopold Gast (Renault Clio Cup 4) eine beeindruckende Leistung. Final liegt er weniger als vier Sekunden hinter Vojtech Beda zurück. Im zweiten Lauf beträgt die Differenz lediglich 299 Tausendstel. Dorde Vesnic beendet sein Glasbach Wochenende im Renault Clio 4 RS als Dritter, Thomas Flik (Renault Clio 3 Cup) auf Position fünf.
Fünf KW Berg-Cup’ler und ein Gipfelsprinter aus Luxemburg bilden die 4b. Die ersten fünf Positionen gehören von eins beginnend Jens Weber im Opel Kadett C 16V, Michael Schumacher mit seinem VW Polo G60, Maximilian Gast (VW Golf Turbo), Stefan Schäfer auf Opel Kadett Limousine und Josef Faber (Opel Kadett C Coupé).
Das 4a Podium beanspruchen internationale Gäste für sich. Das sind Geburtskind Patrick Mayer (AUT) mit seinem VW Golf 1 16V als Sieger, der Kroate Matija Jurisic (Peugeot 308 TCR 1.6) auf P2 und Norbert Nagy (HUN/BMW E46 1.8T). Mit sehr ansprechenden Zeiten pilotiert Andy Heindrichs seinen Opel Wiebe Corsa 16V auf Rang vier.
Zwei Turbo-Allradler bestimmen das 3b-Tempo. Lars Bröker ist im Mitsubishi Lancer Evo X der Gewinner. Platz zwei ist die Angelegenheit von Pascal Ehrmann (Subaru Impreza WRX STI). Auf Position drei folgt Daniel Winkler mit seinem Audi RS3 TCR. Daniel Müller komplettiert im BMW M140i als Vierter den KW Berg-Cup 3b-Auftritt. Sabine Göhrig dreht sich mit ihrem Ford Focus ST kurz nach dem Start zu Lauf zwei aus der Wertung.
Milovan Vesnic drückt der 3a mit seinem Audi RS3 LMS den Stempel auf, sprintet auf Platz eins. Ihm folgen Kai Neu (Ford Fiesta N Sport) und Florian Heß im Porsche 997 GT3 Cup auf den nächsten Positionen. Kai Neu fährt im ersten Heat 0,811 Sekunden Vorsprung auf Florian Heß heraus. Im Finale ist der aber 0,807 Sekunden schneller, holt Kai somit fast ein. Schlussendlich liegen 4 Tausendstel zwischen Ford Fiesta und Porsche 997.
Alexandru Pitigoi und Michal Roll (beide Porsche 992 GT3 Cup) liegen in der soeben genannten Reihung an der 2b-Spitze. Michael Weber beschädigt sich im ersten Lauf durch Leitplankenkontakt eine rechte Radaufhängung, kann deshalb mit seinem Audi 80 Quattro Turbo im Finale nicht mehr dabei sein.
Mit elf Startern ist die Pf2a sehr gut besetzt. Schon am Trainingssamstag deutet sich an, dass der Spanier Javier Villa Garcia im konsequent nach Pf- und HC1-Regeln gebauten BRC 110T mit 2,1-Liter Honda-Turbo-Power zu beachten sein wird. In der ersten Sonntagsauffahrt bremsen den Spanier ab etwa Streckenmitte Motorprobleme ein. Im VW Minichberger Corrado R Turbo geht Thomas Strasser in Führung, ist 7,514 Sekunden schneller als Javier. Im zweiten Run brennt der Spanier eine schier unfassbare 2:09,650 in den Glasbach Asphalt. Damit pulverisiert er den Division 1 Streckenrekord, den Karl Schagerl mit seinem 860 PS starken VW Golf Rallye TFSI-R 2024 mit 2:15,030 aufgestellt hat, um sage und schreibe 5,380 Sekunden. Mit diesem Meisterstück zoomt er sich in der Addition noch bis auf 29 Tausendstel an Sieger Thomas Strasser heran, wird Zweiter. Position drei ist die Angelegenheit des amtierenden Meisters aus Österreich. Das ist Kevin Michael Raith im Porsche 992 GT3 Cup. In diesem Klassefeld belegt Holger Hovemann mit seinem Lamborghini Huracan ST Evo 1.5 hinter Bernhard Permetinger (BMW Z4 GT3) einen starken fünften Rang.
Die Pf1 und den Gewinn der Division 1 sichert sich Reto Meisel im Mercedes-Benz SLK 340 vor Igor Stefanovski (Ferrari 488 Challenge Evo) und Mitsubishi-Mann Domagoj Perekovic. Wobei noch schnell anzumerken bleibt, dass selbst Reto Meisel das Tempo des zweiten Wertungslaufs von Javier Villa Garcia um mehrere Sekunden nicht mitgehen kann. Seine schnellste Marke ist eine 2:14,333. Für Nicole Prinzing (Audi TT) endet der Trip zum Glasbach nach einem Ausrutscher in Durchgang zwei leider vorzeitig.
Knapp nach 18 Uhr beginnt auf dem Marktplatz in Steinbach vor viel begeistertem Publikum die Siegerehrung. Einige der Teilnehmer bleiben gleich in Thüringen. Denn schon am kommenden Wochenende geht es etwas weiter nördlich, im Eichsfeld, am Iberg weiter. Es ist für NSU-Bergpokal und KW Berg-Cup das dritte Rennen in Folge. Im Anschluss gibt es drei Wochen Pause bis zum Bergrennen Homburg. Wie wäre es denn damit: Iberg auf jeden Fall noch mitnehmen und im Anschluss daran bis zum Homburg-Termin (10.-12.07.) regenerieren. Denn auch dort brauchen und zählen wir vom NSU-Bergpokal und KW Berg-Cup auf eure volle Unterstützung, liebe Freunde und Fans unserer Bergrennserien.
Uli Kohl, 17.06.2026